Kinderstube der Demokratie 

Die Kinderstube der Demokratie ist ein vom Institut für Partizipation und Bildung 1 initiiertes umfassendes ein Konzept für Partizipation in Kindertageseinrichtungen. Das Konzept versteht Partizipation als zentralen Bestandteil einer subjektorientierten und demokratieorientierten Pädagogik. In diesem Zusammenhang meint die Partizipation von Kindern das Recht von Kindern, sich in die Angelegenheiten, die sie betreffen, einzumischen. Das Konzept wurde über zehn Jahre in mehreren Modellprojekten in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen Kitas entwickelt.

Die Kinderstube der Demokratie ermöglicht Kita-Teams, die (Mitentscheidungs)Rechte der Kinder zu klären, verlässliche Beteiligungsgremien einzuführen, methodisch angemessene Beteiligungsverfahren zu planen und durchzuführen und die Interaktionen zwischen allen Beteiligten respektvoll zu gestalten. Sie umfasst zudem ein Fortbildungskonzept, dass es ermöglicht, Kindertageseinrichtungen dabei zu begleiten, jeweils ihren individuellen Weg zu einer Kinderstube der Demokratie zu beschreiten. Das Institut für Partizipation und Bildung qualifiziert Multiplikator_innen dafür, dieses Konzept in Kita-Teams anzuwenden.

Grundlegend für die Umsetzung des Konzepts ist die Reflexion des Machtgefälles zwischen Erwachsenen und Kindern durch die pädagogischen Fachkräfte: Welches Bild vom Kind bestimmt mein pädagogisches Handeln? Welche (Entscheidungs-)Rechte gestehe ich Kindern zu? Welche Anforderungen stellt die Beteiligung der Kinder an mich? In dieser Hinsicht ist das Konzept eng verwandt mit dem Ansatz der Adultismuskritik. 2 Adultismuskritisch ausgerichtete Projekte greifen umgekehrt in konkreten Ausformulierungen auf die Kinderstube der Demokratie zurück. 3 Die betreffenden Fortbildungen der Kinderstube der Demokratie für Fachkräfte haben das Thema Partizipation nicht nur zum Gegenstand, sondern sind auch selbst partizipativ angelegt. Daher ist zentral für die Arbeit mit dem Konzept, dass Partizipation von den betreffenden Erwachsenen – pädagogischen Fachkräften wie Eltern – gewollt ist und dass die Teams selbst entscheiden, bei welchen Themen sie die Kinder wie beteiligen wollen und bei welchen (noch) nicht, was auch die Bereitschaft, sich auf die Partizipation von Kindern einzulassen, steigert.

Projekte 

Das Projekt „Demokratie in Kinderschuhen. Mitbestimmung und Vielfalt in katholischen Kitas“ (Bundesprogramm „Demokratie leben!“), initiiert vom Verband Katholischer Tageseinrichtungen für Kinder – KTK-Bundesverband e.V., unterstützt katholische Kindertageseinrichtungen darin, allen Kindern mit gleicher Offenheit zu begegnen, ihre demokratischen Handlungskompetenzen zu fördern und das sozialräumliche Engagement von Eltern zu stärken. Über den Beirat des Kooperationsprojekts besteht die Vernetzung unter anderem mit dem Institut für Partizipation und Bildung in Kiel („Kinderstube der Demokratie“) und dem Institut für den Situationsansatz in Berlin. 4
Das im selben Kooperationsprojekt wie das obige angesiedelte Projekt „Demokratie, das sind wir alle. Vielfalt, das sind wir alle. Demokratie und Vielfalt fördern - Diskriminierungen und Barrieren abbauen“ (Bundesprogramm „Demokratie leben!“) setzt sich zum Ziel, im Arbeitsfeld der Kindertagesbetreuung Demokratieprozesse und Vielfalt zu fördern und Diskriminierungen und Barrieren abzubauen. Es stützt sich sowohl im Hinblick auf die Auseinandersetzung mit Diskriminierung als auch auf die Förderung von demokratischem Denken und Partizipation auf das Konzept der „Kinderstube der Demokratie“.


Rüdiger Hansen; Raingard Knauer; Benedikt Sturzenhecker: Die Kinderstube der Demokratie. Partizipation von Kindern in Kindertageseinrichtungen, in: TPS — Theorie und Praxis der Sozialpädagogik, Ausgabe Nr. 2/2009, S. 46–50. (https://www.partizipation-und-bildung.de/pdf/Hansen_Knauer_Sturzenhecker_Kinderstube%20der%20Demokratie.pdf)

Rüdiger Hansen, Raingard Knauer und Benedikt Sturzenhecker (Hg.): Partizipation in Kindertageseinrichtungen. So gelingt Demokratiebildung mit Kindern!, 2011, verlag das netz Berlin

Was MACHT was?!, Modul MACHTvoller Einstieg (2016). Herausgegeben von Deutsches Rotes Kreuz, Berlin


1 Das Institut für Partizipation und Bildung ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein und anerkannter Träger der freien Jugendhilfe. Ziel ist die Förderung und Ausweitung der Partizipation von Kindern und Jugendlichen insbesondere in der Kinder- und Jugendhilfe, aber auch in Schule und Kommune.  zurück zum Inhalt
3 Was MACHT was?!, Modul MACHTvoller Einstieg, S. 13.
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