Das englische Wort „Bias“ bedeutet übersetzt „Voreingenommenheit“ oder auch „Einseitigkeit“. Anliegen des Anti-Bias-Ansatzes ist die Herstellung von „sozialen und politischen Verhältnissen [...], in denen alle Menschen gleiche Chancen auf Anerkennung, Teilhabe und Entfaltung haben“ (anti-bias-netz 2016). Anti-Bias-Ansätze in der pädagogischen/bildungspolitischen Arbeit und der Beratung und Begleitung von Institutionen wie Schulen, Kitas, Verwaltung usw. zielen darauf ab, Schieflagen, die aufgrund von Vorurteilen und einseitigen Bevorteilungen entstehen, ins Gleichgewicht zu bringen und Diskriminierungen auf der zwischenmenschlichen, institutionellen und gesellschaftlich-kulturellen Ebene abzubauen. Anti-Bias versteht sich als intersektionaler Ansatz und nimmt die verschiedenen Formen von Diskriminierung als Ausdruck gesellschaftlich ungleicher Positionen und Machtverhältnisse und ihre vielschichtigen gegenseitigen Verstrickungen in den Blick (vgl. anti-bias-netz 2016:11). 1

Entstehungskontext

Anti-Bias wurde in den 1980er Jahren in den USA von Louise Derman-Sparks udn Carol Brunson-Phillips für den Bereich der Kleinkindpädagogik entwickelt. Den Anstoß hierfür bildete die Social Justice Bewegung und die Schwarze Bürgerrechtsbewegung in den USA. 

Nach der Abschaffung der Apartheit Anfang der 1990er Jahre adaptierten südafrikanische Pädagog_innen der Early Learning Ressource Unit (ELRU) den Anti-Bias-Ansatz zur Überwindung auch der "Apartheid in den Köpfen" und erstellten Lerneinheiten für Kinder, Jugendliche, für die Erwachsenenbildung sowie die Ausbildung von Multiplikator_innen.

Anti-Bias in Deutschland 

Wichtige Träger in Deutschland im Hinblick auf die praktische und theoretische Auseinandersetzung mit dem Anti-Bias-Ansatz sind das anti-bias-netz und die Anti-Bias-Werkstatt. Auch die Arbeit des Projekts Kinderwelten, des IKM Hamburg, der RAA Brandenburg, des FiPP e. V., des Modellprojekts Perspektivwechsel bzw. des Nachfolgemodellprojekts Perspektivwechsel Plus der Zentralen Wohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST) sowie die von von glokal e. V. beruhen wesentlich auf dem Anti-Bias-Ansatz. 2

Siehe auch Anti-Bias-Ansatz in der Elementarpädagogik


Quellen

anti-bias-netz (Hg.) 2016: Vorurteilsbewusste Veränderungen mit dem Anti-Bias-Ansatz. Freiburg i. B.: Lambertus

Gramelt, Katja (2010): Der Anti-Bias-Ansatz. Zu Konzept und Praxis einer Pädagogik für den Umgang mit (kultureller) Vielfalt. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 

Walgenbach, Katharina (2012): Intersektionalität1 als Analyseperspektive heterogener Stadträume. In: Scambor, Elli/ Zimmer, Fränk (Hg.): Die intersektionelle Stadt. Geschlechterforschung und Medien an den Achsen der Ungleichheit. Bielefeld, S. 81)


1 Nach dem Intersektionalitätsansatz werden soziale Kategorien wie Gender, Ethnizität, Nation oder Klasse nicht isoliert voneinander, sondern in ihren ‚Verwobenheiten’ oder ‚Überkreuzungen’ (intersections) gedacht, also der Fokus auf das gleichzeitige Zusammenwirken von sozialen Ungleichheiten gelegt (Vgl. Walgenbach 2012).
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2 Nähere Informationen zur Rezeption des Anti-Bias-Ansatz in Deutschland finden sich in anti-bias-netz 2016:12 und Gramelt 2010.   zurück zum Inhalt
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