Suchtipps

Suchtipps  

In der Mitte der Startseite ist ein Suchfeld. Dort kannst du Begriffe zu Materialien, Themen, Herausgebern etc. eingegeben. Zuerst werden die Materialien aus dem aktuellen Bundesprogramm „Demokratie leben!“ angezeigt.

Nicht das Richtige dabei? Zu viele Ergebnisse?
In der erweiterten Suche können verschiedene Suchen miteinander kombiniert werden:

  • Volltextsuche im Feld  „Suchbegriffe“: Der gesamte Eintrag wird nach den eingegebenen Begriffen durchsucht. Über die Volltextsuche können Titel, auch Teile davon, Autor:innen, und Projektträger gesucht     werden.
  • Schlagwörter: Allen Materialien sind Schlagwörter zugeordnet. Über die Schlagwörterliste kann nach bestimmten Themengebieten gesucht werden oder Themengebiete können kombiniert werden.
  • Medienart: Wenn Du gezielt nach einem bestimmten Format wie z.B. Film oder Broschüre suchst, kannst du die Suche über das Kriterium Mediengattung eingrenzen.
  • Zielgruppe: Hier kannst Du die Materialien danach filtern, an wen sie sich richten. Du kannst auch mehrere Zielgruppen markieren (etwa „Schüler:innen“ und „Menschen mit Migrationshintergrund/People of Color“).

Grundsätzlich gilt: Alle Suchoptionen (inkl. „Suchbegriffe“) können miteinander kombiniert werden. Über das Dropdown-Menü „Optionen“ über der Trefferliste kannst Du die Treffer alphabetisch nach Titel sortieren, ansonsten werden sie nach Bundesprogrammen angezeigt. Zusätzlich können auch Materialien angezeigt werden, die nicht als PDF verfügbar sind. Hierzu ein Häkchen bei „Offline-Bestand“ setzen.

Intersektionalität

Was ist Intersektionalität?

Intersektionalität ist ein Begriff, der das Zusammenwirken mehrerer Unterdrückungsmechanismen beschreibt. Er wird sowohl in der wissenschaftlichen Forschung als auch in pädagogischen, bildungspolitischen und aktivistischen Zusammenhängen benutzt.

Woher kommt der Begriff?

Obwohl bereits verschiedene Gruppen, vor allem Schwarze1Wir schreiben „Schwarz“ in diesem Zusammenhang groß, um zu verdeutlichen dass es nicht wirklich darum geht welchen Farbton genau die Haut einer Person hat, sondern um sozial konstruierte Gruppen. Feminist:innen in den USA, auf das Phänomen der Mehrfachdiskriminierung hingewiesen hatten2Quelle: vgl. Walgenbach 2012: 4ff wurde der Begriff Intersektionalität das erste Mal von der Juristin und Professorin Kimberlé Crenshaw benutzt.

Sie analysierte mehrere abgewiesene Diskriminierungsklagen von Schwarzen Frauen. Dabei bemerkte sie, dass die Erfahrungen Schwarzer Frauen vor Gericht nicht als Diskriminierung anerkannt wurden, da es nicht dieselben Erfahrungen waren, wie die von weißen Frauen oder schwarzen Männern. Vielmehr wurden sie spezifisch als Schwarze Frauen benachteiligt.

Beispielsweise klagten fünf Schwarze Frauen gegen den Konzern General Motors wegen einem Vergütungssystem, bei dem es darauf ankam, wie lange jemand schon dort arbeitet. Allerdings wurden erst ab dem Jahr 1964 Schwarze Frauen überhaupt eingestellt. In der Klage wurde damit argumentiert, dass mit diesem System vergangene Diskriminierungen bis heute weiter wirken. Das Gericht lehnte dieses Argument ab, weil vor 1964 bereits Weiße Frauen eingestellt wurden. Die Diskriminierung auf Grund von »Race«3Wir verwenden das englische Wort »Race« um deutlich zu machen, dass es um das soziale Konstrukt geht und nicht um einen vermeintlich biologisch begründeten »Rassen«-Begriff. sollte lieber in einer anderen Klage verhandelt werden. Crenshaw beschrieb dieses Phänomen mit dem Begriff »intersectionality«, was sich vom englischen Wort »Intersection« für »Kreuzung« oder »Überschneidung« ableitet4Quelle: Crenshaw 1989.

Was bedeutet Intersektionaltiät?

Gemeint ist damit, dass verschiedene Diskriminierungsformen nicht einzeln für sich wirken und einfach zusammengezählt werden können, sondern dass sie sich gegenseitig beeinflussen und so auch neue Formen der Diskriminierung entstehen können. Crenshaw verdeutlicht das, mit dem Bild einer Kreuzung von zwei Straßen: Die eine Straße steht für Geschlecht, die andere für »Race«. Auf beiden Straßen können Unfälle im Sinne von Diskriminierung passieren. Wer aber in der Mitte der Kreuzung steht, hat ein höheres Risiko in einen Unfall verwickelt zu werden. Das wäre z. B. bei Frauen of Color der Fall: Autos können von einer Seite oder von mehreren Seiten gleichzeitig kommen. Nur nach Ungleichbehandlung auf Grund von Sexismus ODER Rassismus zu schauen wäre in diesem Bild dann so, als ob erst ein Krankenwagen gerufen wird wenn klar ist von welcher Straße genau das Unfallauto kam5Quelle: Crenshaw 1989: 149.

Mehrfachdiskriminierung kann natürlich auch auf Grund weiterer Merkmale und Zuschreibungen passieren, z. B. geschlechtliche Identität, sexueller Orientierung, sozioökonomischer Status, Behinderungen oder Krankheiten, Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit usw. Im Konzept der Intersektionalität ist dabei keine abgeschlossene Liste von gesellschaftlichen ‚Platzanweisern« festgeschrieben. Viel mehr wird betont, dass geschaut werden muss zu welcher Zeit, an welchem Ort, in welchem sozialen Umfeld Machtunterschiede und Diskriminierung vorherrschen und was das für die Betroffenen bedeutet6Quelle: Offen 219: 4.

Ein Beispiel

Als Beispiel dafür nennt Nana Adusei-Poku die Verdächtigung der Opfer des NSU, selber Teil krimineller Strukturen zu sein. Die Kombination von Geschlecht, soziale Lage und ethnischer Herkunft, nämlich: Männlich, Arbeiter oder Kleinunternehmer und aus der Türkei oder Griechenland, aktivierte gesellschaftlich verankerte Vorurteile. Das führte dazu dass es für wahrscheinlich gehalten wurde, dass die Opfer selber kriminell waren, anstatt ein rassistisches Motiv in Betracht zu ziehen7Quelle: Adusei-Poku 2012: 51, was die Aufklärung der Morde lange verzögerte, dem NSU sein weiteres Vorgehen ermöglichte und für die Betroffenen Familien eine zusätzliche Belastung hieß.  


Zum Weiterlesen


Quellen

Adusei-Poku, Nana (2012): Intersektionalität: „E.T. nach Hause telefonieren“?. In: APuZ 62. Jg., Nr. 16-17, S. 47-52 Link zur Publikation

Crenshaw, Kimberlé (1989): Demarginalizing the Intersection of Race and Sex: A Black Feminist Critique of Antidiscrimination Doctrine, Feminist Theory and Antiracist Politics. In: University of Chicago Legal Forum, Jg. 1989, Nr. 1, S. 139-167

Offen, Susanne (2019): Intersektionalität als Bezugspunkt in Jugendarbeit und politischer Bildung? Herausforderungen eines beweglichen Modells. Link zur Publikation (letzter Aufruf: 18.11.2019)

Walgenbach, Katharina (2012): Intersektionalität – eine Einführung. Link zur Publikation (letzter Aufruf: 18.11.2019)