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Antisemitismus

Was bedeutet Antisemitismus?

Im Allgemeinen beschreibt Antisemitismus eine bestimmte Wahrnehmung von Jüdinnen:Juden, die sich in Form von Ablehnung oder Hass ausdrückt. Die antisemitische Weltsicht konstruiert Jüdinnen:Juden als eine homogene Gemeinschaft, der sie biologische, kulturelle oder „rassische“ Eigenschaften zuschreibt und die sie als Bedrohung wahrnimmt1(vgl. Benz 2015: 14).

Antisemitismus kann sich in Äußerungen, Handlungen oder Angriffen sowohl gegen jüdische, oder als solche wahrgenommenen Einzelpersonen, als auch gegen jüdische oder als jüdisch wahrgenommene Gemeinschaften oder Gruppen, beispielsweise religiöse Einrichtungen oder jüdische Gemeindeinstitutionen, richten2(vgl. IHRA 2016). Eine antisemitische Weltsicht zielt somit auf die Ausgrenzung, Unterdrückung und im extremen Fall auf die Vernichtung jüdischer Menschen ab.

Es ist wichtig, zu verstehen, dass Antisemitismus ein gesamtgesellschaftliches Phänomen ist und nicht ausschließlich extrem rechts eingestellte Menschen, Gruppen oder Parteien betrifft. In seinen verschiedenen Ausprägungsformen ist Antisemitismus historisch gewachsen und tief in der Gesellschaft verankert, davon handelt der folgende Artikel.

Antijudaismus und primärer Antisemitismus

Antisemitismus hat eine lange Geschichte. Viele Menschen verbinden Antisemitismus in erster Linie mit der Verfolgung und Ermordung von Millionen von jüdischen Menschen im Nationalsozialismus. Dabei wurden jüdische Menschen seit Jahrtausenden verfolgt und ermordet. Antisemitismus existierte bereits lange vor dem Nationalsozialismus und endete auch nicht nach dem zweiten Weltkrieg, sondern besteht in seinen verschiedenen Formen und Wirkungsweisen auch noch heute.

Unterschieden wird zwischen dem modernen Antisemitismus und dem historischen Antisemitismus oder auch Antijudaismus. Dieser bezieht sich hauptsächlich auf die Ablehnung, Verfolgung und Ermordung jüdischer Menschen aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit und ist über 2000 Jahre3(vgl. Bernstein 2021: 21).

Antisemitismus in seiner modernen Form entstand im 19. Jahrhundert. In Zuge dessen wurden und werden jüdische Menschen nicht mehr in erster Linie auf Grund ihrer religiösen Zugehörigkeit abgelehnt, vielmehr werden sie rassifziert. Das bedeutet, sie werden nicht als Individuen gesehen, sondern als Gruppe, der biologische oder kulturelle Merkmale und Eigenschaften zugeschrieben werden. Menschen, die dieser Gruppe als zugehörig angesehen werden, werden aufgrund dieser von außen zugeschriebenen Merkmalen abgelehnt, gehasst und ausgegrenzt4(vgl. Bernstein 2021: 21f). Seinen Höhepunkt erreichte diese Feindschaft gegenüber jüdischen Menschen, auch als primärer Antisemitismus benannt, im Holocaust. In der Zeit des Nationalsozialismus entwickelte sich, von weiten Teilen der deutschen Gesellschaft getragen und unterstützt, der Antisemitismus in seiner tödlichsten Form. Jüdische Menschen wurden verfolgt, misshandelt und mehr als sechs Millionen europäische Jüdinnen:Juden wurden in Konzentrationslagern ermordet5(vgl. Bernstein 2021: 22f).

Die historischen Veränderungen antisemitischer Einstellungen verdeutlichen, dass sich zwar die Erscheinungsform von Antisemitismus mit der Zeit verändert hat, die dahinterstehende Ideologie jedoch gleichbleibt6(vgl. Bernstein 2021: 23). So entstanden antisemitische Verschwörungserzählungen beispielsweise von einer „jüdischen Weltherrschaft“ oder einer „jüdischen Steuerungen der Wirtschaft“ bereits im Mittelalter, wirken jedoch (teilweise in abgeänderter Form) bis heute nach, wie der Aufschwung von Verschwörungserzählungen in der Covid19-Pandemie noch einmal verdeutlicht hat7(vgl. Lelle 2020: 8).

Es gibt nicht nur eine Form des Antisemitismus. Vielmehr existieren bis heute verschiedene Erscheinungsformen, die vielleicht auf den ersten Blick nicht als antisemitisch zu verstehen sind, sich aber in der dahinterstehenden Ideologie und der Abwertung jüdischer Menschen nicht vom primären Antisemitismus unterscheiden. Die aktuellen Erscheinungsformen werden deshalb in diesem Artikel dargestellt.

Sekundärer Antisemitismus

Als sekundärer Antisemitismus oder auch Schuldabwehr-Antisemitismus kann jede Form der Holocaustleugnung bzw. -relativierung genannt werden, also die Verharmlosung oder Infragestellung der Verfolgung und Ermordung von Millionen jüdischer Menschen in den Zeiten des Nationalsozialismus8(vgl. Bernstein 2021: 23f). Sekundär bedeutet in diesem Zusammenhang „nach einem Ereigniskommend“ beschreibt also eine Form des Antisemitismus nach dem Holocaust9(vgl. Höttemann 2020).

Diese Form des Antisemitismus äußert sich beispielsweise durch die Vorstellung, jüdische Menschen hätten eine Mitschuld an ihrer Verfolgung und Ermordung gehabt, oder die Kriegspolitik und -praktik der Alliierten könne mit dem Holocaust gleichgesetzt werden. Darüber hinaus findet man sekundären Antisemitismus beispielsweise auch in den Forderungen nach einem „Schlussstrich“, also den Holocaust als historisches Ereignis anzusehen, das nichts mit der Gegenwart zu tun habe. Die vermeintliche Logik, die dahintersteckt, ist die: Da die heute lebenden Generationen keine Schuld am Holocaust/Shoa trifft, trage sie auch keine Verantwortung. Die Kontinuität von Antisemitismus und seine Verankerungen in der Gesellschaft werden somit verneint oder ignoriert und die besondere Verantwortung der deutschen Gesellschaft für die Erinnerung an den Holocaust sowie für jüdisches Leben in Deutschland geleugnet10(vgl. Gessler 2006). Jüdische Menschen bzw. jüdisches Leben in Deutschland werden in diesem Zusammenhang als eine Erinnerung an die eigene Schuld bzw. Hindernis für eine gesellschaftliche „Normalität“ losgelöst von vergangenen Ereignissen gedeutet und deshalb abgelehnt11(vgl. Bernstein 2021: 23f).

Israelbezogener Antisemitismus

Eine heutzutage weitverbreitete Form des Antisemitismus ist der Israelbezogene Antisemitismus. Dabei werden bestehende antisemitische Einstellungen und Weltanschauungen auf den Staat Israel übertragen, der in diesem Zusammenhang als Stellvertreter für „die Juden“ gesehen wird. Dies geschieht beispielsweise durch die Aberkennung des Existenzrechtes Israels, oder dem Gleichsetzen der Rolle der israelischen Politik im Konflikt zwischen Israel und Palästina mit den Täter:innen im Holocaust. Gleichzeitig können auch verschwörungsideologische Aspekte des Antisemitismus auf den Staat Israel übertragen werden, wenn beispielsweise davon ausgegangen wird, dass Israel ein übermächtiger Staat ist, der einen großen Einfluss auf das weltpolitische Geschehen hat12(vgl. Bernstein 2021: 23-29; 13Anne Frank Zentrum e. V. 2021: 11).

Antisemitismus vs. Rassismus

Handelt es sich bei Antisemitismus und Rassismus im Kern um das gleiche Phänomen? Die Antwort ist nein. Es handelt sich um unterschiedliche Phänomene, die sich aber in einigen Punkten ähneln. So basieren sowohl Rassismus als auch Antisemitismus auf der Konstruktion einer Gruppe, die in Abgrenzung zur eigenen Gruppe als „fremd“ und „anders“ markiert wird (dieser Prozess wird auch „Othering“ genannt). Die Besonderheit des Antisemitismus ist dabei, dass jüdischen Menschen eine besondere Machtstellung oder Einfluss zugeschrieben wird. Antisemitismus bietet also ein Welterklärungssystem, in dem jüdische Menschen beispielsweise für gesellschaftliche und/oder finanzielle Krisen verantwortlich gemacht werden14(vgl. Anne Frank Zentrum 2021: 6; 15Amadeu Antonio Stiftung 2020: 12).Keiner anderen „Gruppe“ wird so viel Macht und Bösartigkeit unterstellt.

Was kann ich gegen Antisemitismus tun?

Manchmal erlebt man Situationen, in denen antisemitische Äußerungen getätigt werden oder beobachtet antisemitisches Verhalten bzw. Einstellungen. Hier ein paar Tipps, wie du dich in solchen Situationen verhalten kannst16(vgl. Anne Frank Zentrum e. V. 2021: 22-25).

  1. Höre jüdischen Menschen zu und glaube ihnen – sie erkennen Antisemitismus meist früher als andere.
  2. Informiere dich und erkenne Antisemitismus – Dieser Artikel hat verdeutlicht, dass Antisemitismus viele Gesichter haben kann.
  3. Benenne und widerspreche Antisemitismus, wenn du ihn mitbekommst – egal ob in den sozialen Medien, in der U-Bahn oder in deiner Familie, bei antisemitischen Äußerungen oder Verhalten handelt es sich immer um eine Menschenrechtsverletzung!
  4. Solidarisiere dich mit Betroffenen – achte auf ihre Bedürfnisse und unterstütze sie in ihren Forderungen!
  5. Setze dich mit der Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland auseinander – oft wird jüdisches Leben in Deutschland auf Holocaust, Antisemitismus und Israel reduziert, dabei ist es sehr viel vielfältiger und -schichtiger und ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft.
  6. Kritische Selbstreflexion – setze dich mit deiner eigenen Positionierung, deinen Privilegien und deinen Einstellungen in der Gesellschaft auseinander.
  7. Wende den 3D-Test an – Der 3-D-Test für Antisemitismus ist eine Methode, um legitime Kritik an der Politik Israels bzw. an dessen Regierung von Antisemitismus zu unterscheiden

Zum Weiterlesen:

Czollek, Max (2018): Desintegriert euch! München: Carl Hanser Verlag.

Hötteman, Michael (2020): Sekundärer Antisemitismus. Antisemitismus nach Auschwitz. In: Bundeszentrale für politische Bildung: Dossier Antisemitismus https://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/321575/sekundaerer-antisemitismus

Lelle, Nikolas (2020): Was ist Antisemitismus? Zum zivilgesellschaftlichen Lagebild Antisemitismus in Deutschland. In: Amadeu Antonio Stiftung (Hg.): Zivilgesellschaftliches Lagebild Antisemitismus in Deutschland. https://www.vielfalt-mediathek.de/material/antisemitismus/zivilgesellschaftliches-lagebild-antisemitismus-deutschland

Multikulturelles Forum e. V. (2019): Antisemitismus im Fokus. Handlungsempfehlungen aus der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit. https://www.vielfalt-mediathek.de/material/antisemitismus/antisemitismus-im-fokus-handlungsempfehlungen-aus-der-antisemitismuskritischen-bildungsarbeit

Zentralwohlfartsstelle der Juden in Deutschland e. V. (2017): Vom Sprechen & Schweigen über Antisemitismus. https://www.vielfalt-mediathek.de/material/antisemitismus/vom-sprechen-schweigen-ueber-antisemitismus

Quellen:

Amadeu Antonio Stiftung (Hg.) (2020): Zivilgesellschaftliches Lagebild Antisemitismus in Deutschland. https://www.vielfalt-mediathek.de/material/antisemitismus/zivilgesellschaftliches-lagebild-antisemitismus-deutschland (letzter Aufruf: 11.01.2022).

Anne Frank Zentrum e. V. (Hg.) (2021): Antisemitismus – Geschichte und Aktualität. Handreichung für pädagogische Fachkräfte und Multiplikator*innen. https://www.vielfalt-mediathek.de/material/antisemitismus/antisemitismus-geschichte-und-aktualitaet-handreichung-fuer-paedagogische-fachkraefte-und-multiplikatorinnen (letzter Aufruf: 11.01.2022).

Benz, Wolfgang (2015): Antisemitismus: Präsenz und Tradition eines Ressentiments. Frankfurt am Main: Wochenschau Verlag.

Bernstein, Julia (2021): Israelbezogener Antisemitismus. Erkennen – Handeln – Vorbeugen. Weinheim: BeltzJuventa.

Gessler, Philipp (2006): Sekundärer Antisemitismus. Argumentationsmuster im Rechtsextremistischen Antisemitismus. In: Bundeszentrale für politische Bildung: Dossier Antisemitismus. https://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/37962/sekundaerer-antisemitismus?p=0 (letzter Aufruf: 11.01.2022).

Hötteman, Michael (2020): Sekundärer Antisemitismus. Antisemitismus nach Auschwitz. In: Bundeszentrale für politische Bildung: Dossier Antisemitismus. https://www.bpb.de/politik/extremismus/antisemitismus/321575/sekundaerer-antisemitismus (letzter Aufruf: 11.01.2022).

International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) (2016): Arbeitsdefinition von Antisemitismus. https://www.holocaustremembrance.com/de/resources/working-definitions-charters/arbeitsdefinition-von-antisemitismus (letzter Aufruf: 11.01.2022).

Lelle, Nikolas (2020): Was ist Antisemitismus? Zum zivilgesellschaftlichen Lagebild Antisemitismus in Deutschland. In: Amadeu Antonio Stiftung (Hg.): Zivilgesellschaftliches Lagebild Antisemitismus in Deutschland. https://www.vielfalt-mediathek.de/material/antisemitismus/zivilgesellschaftliches-lagebild-antisemitismus-deutschland (letzter Aufruf: 11.01.2022).