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Token/Tokenismus

Woher kommt der Begriff?

Das Konzept des Tokenism, auf Deutsch auch Tokenismus, und die daraus hervorgehende Bezeichnung token wurden von der Soziologin Rosabeth Moss Kanter in den 1970er Jahren geprägt. Sie untersuchte die Einstellungspraxis von multinationalen Konzernen und stellte dabei fest, dass die wenigen Frauen, die in diesen Konzernen arbeiteten vor allem eine Alibifunktion erfüllten. Das bedeutet, dass sie nicht als Individuen angesehen wurden, sondern als Repräsentantinnen der Kategorie Frau 1(vgl. Hoeder 2020).

Was bedeutet Token und Tokenismus?

Tokenismus beschreibt kritisch eine symbolische Geste, bei der Menschen, die aufgrund einer (ihnen zugeschriebenen) „Kategorie“, wie beispielsweise Frau oder Schwarz positioniert, eine Minderheit in einer dominanten Gruppe darstellt 2(vgl. Quente 2020: 43f). Die davon betroffenen Menschen werden von Kanter als tokens bezeichnet, was als „Zeichen“ oder „Symbol“ übersetzt werden kann. Sie werden dabei lediglich als Repräsentant:innen der ihnen zugeordneten Kategorien  und als Vertreter:innen ihrer „Gruppe“ angesehen 3(vgl. Tschöpe 2006: 256).

Die Praktik des Tokenismus dient dazu, die Kritik an bestehenden diskriminierenden oder ausgrenzenden Machtverhältnissen, wie beispielsweise Sexismus oder Rassismus, abzuwehren, da die dominante Gruppe sich darauf berufen kann, Personen dieser „Kategorien“ aufgenommen zu haben. Bestehende Machtverhältnisse werden damit jedoch nicht erschüttert, sondern nur oberflächlich verdeckt 4(vgl. ebd.).

Wie wirkt Tokenismus?

Kanter unterscheidet zwischen drei Wirkungstendenzen von Tokenism 5(vgl. Kanter 1977: 971f).

  • Erhöhte Sichtbarkeit (Visibilität) – Betroffene Menschen stehen auf Grund ihres Token-Status oftmals im „Rampenlicht“, z. B. wird ihre Arbeit besonders gewertet oder kritisiert. Das kann zu einem erhöhten (Leistungs-)Druck führen.
  • Hervorheben und Verfestigen von Unterschieden (Polarisierung) – Die Anwesenheit einer Person, die von der zahlenmäßig dominanten Gruppe einer anderen „Kategorie“ zugeordnet wird, kann dazu führen, dass von Seiten der dominanten Gruppe ihre Gemeinsamkeiten untereinander und insbesondere die Unterschiede zur Person mit Token-Status hervorgehoben werden. Die Person mit Token-Status bleiben zwei Möglichkeiten, entweder sie akzeptieren ihre Außenseiterrolle oder sie verschaffen sich Zugang zur Dominanten Gruppe. Dies erfolgt jedoch durch einseitige Anpassung und auf Kosten der Solidarität zur eigenen „Gruppe“ 6(vgl. Quente 2020: 44). Aus diesem Grund wird die Bezeichnung „Token“ auch als eine Art Vorwurf und Kritik an der Person verwendet 7(vgl. Peşmen 2016).
  • Assimilation  – Menschen mit Token-Status können sich dem Bild, das die dominante Gruppe beispielsweise in Form von Stereotypen oder Vorurteilen von ihnen hat, meist nicht entziehen. Ihnen bleibt nur wenig Handlungsspielraum, beispielsweise können sie sich an die Vorstellungen und Erwartungen der dominanten Gruppe anpassen oder aus ihnen ausbrechen und ihren Sonderstatus behalten.

–> Isolation – Menschen mit Token-Status sind oftmals auf Grund ihrer Sonderstellung innerhalb der Gruppe und den zuvor beschriebenen Wirkungsweisen isoliert. Eine Praktik des Tokenism kann ebenfalls sein, dass Tokens beispielsweise innerhalb einer Organisation bewusst voneinander isoliert werden, um einen Erfahrungsaustausch zwischen ihnen zu vermeiden 8(vgl. Kanter 1977: 972) 9(vgl. Peşmen 2017).


Zum Weiterlesen

  • Ahmjahid, Mohamed (2017) Unter Weißen: Was es heißt privilegiert zu sein. München: Carl Hanser Verlag.
  • Amjahid, Mohamed (2021): Der weiße Fleck: Eine Anleitung zu antirassistischem Denken. München: Piper.

Quellen:

Hoeder, Ciani-Sophia (2020): Was bedeutet „Tokenism“? In: Rosa Mag online. https://rosa-mag.de/was-bedeutet-tokenism/ (letzter Aufruf 09.01.2022)

Kanter (1977): Some Effects of Proportions on Group Life: Skewed Sex Ratios and Responses to Token Women. In: American Journal of Sociology Vol. 82, No. 5, S. 965-990. https://www.jstor.org/stable/2777808?seq=1#metadata_info_tab_contents (letzter Aufruf 09.01.2022)

Peşmen, Azadê (2016): Kein Unterdrückungs-sytem unter Tokens. In: Missy Magazin online. https://missy-magazine.de/blog/2016/11/29/kein-unterdrueckungssystem-ohne-tokens/ (letzter Aufruf 01.02.2022)

Peşmen, Azadê (2017): Hä, was ist denn ein Token? In: Missy Magazin online. https://missy-magazine.de/blog/2017/12/14/token/ (01.02.2022)

Quenter, Michaela (2020): Hochschule – Geschlecht – Fachkultur. Zur Wahrnehmung des Midnerheitenstatus in Geschlechtsuntypischen Studienfächern. Wiesbaden: Springer VS.

Tschöpe, Gerhard (2006): Partnerschaftlich handeln – Die Balance von Beruf und Privatleben
als Thema junger Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen:
Ein Projekt von pro familia Freiburg. In: Meike Penkwitt und Ruth Brandt (Hg.): Elternschaft. Freiburg: Jos.-Fritz-Ver., S. 253-259.