Was ist die Power-Flower-Methode?
Was ist die Power Flower?
Bei der "Power Flower" handelt es sich um eine Methode der politischen Bildungsarbeit. Hierbei sollen die Teilnehmenden dazu angeregt werden, ihre eigenen gesellschaftlichen Positionen zu reflektieren und ihre (De)Privilegien zu erkennen. Unsere Gesellschaft ist geprägt von Ansichten darüber, was oder wer von besonderem Wert ist. Was beispielsweise als schön, erstrebenswert, prestigeträchtig, wissenswert oder erfolgreich betrachtet wird, ist i.d.R. stark gesellschaftlich geprägt und vorgegeben. Das führt dazu, dass Menschen in unserer Gesellschaft anhand bestimmter Kategorien (z.B. sog. "Schönheit") differenziert, hierarchisiert und letztlich auch diskriminiert werden. Wichtig zu verstehen ist, dass diese Differenzkategorien sozial hergestellt werden, um Machtverhältnisse zu stabilisieren. 1Vgl. Hahn-Laudenberg, Katrin et al. (2024): Umgang mit sozialen Differenzkategorien, in: Abs, Hermann Josef et al. (Hrsg): Schulische Sozialisation und politische Bildung von 14-Jährigen im internationalen Vergleich, ICCS (2022), Waxmann, Münster/New York, S.354. 2Siehe auch: Bettina Lindmeier, Bettina; Meyer, Dorothee (17/06/2021): Der Begriff der Differenz, Bundeszentrale für Politische Bildung.
Beispiel:
Eine soziale Differenzkategorie ist das Merkmal "Bildungsstand".
In unserer Gesellschaft werden akademische Bildungsabschlüsse als "höhere" und damit "bessere" Abschlüsse gewertet. Diese Wertung ist rein sozial konstruiert, denn wessen Arbeit warum wie viel wert ist, kann äußerst unterschiedlich betrachtet werden.
In unserem gesellschaftlichen Kontext sorgt diese Wertung dafür, dass Menschen je nach Bildungsstand differenziert und hierarchisiert werden. Eine Konsequenz dessen kann sein, dass Menschen mit sog. "höheren" Bildungsabschlüssen über mehr Privilegien wie besondere Anerkennung, mehr Entlohnung, exklusive Zugänge und Partizipationsmöglichkeiten verfügen. Diese Privilegien gehen immer mit mehr Macht ("Power") einher.
Die Bildungsmethode "Power Flower" wird dazu genutzt, sich selbst in unserem gesellschaftlichen Machtgefüge zu verorten und sich in Bezug zu anderen Gruppen als privilegiert und/oder deprivilegiert zu erkennen. Hier werden die, in unserer Gesellschaft wirksamen, Differenzkategorien betrachtet und bewusst genutzt, um eine Reflexion und Sensibilisierung für ungleiche Machtverhältnisse anzustoßen. Die Betrachtung der Kategorien macht auch deutlich, dass Menschen mehrfach diskriminiert werden können und dass diese Diskriminierungsformen miteinander verschränkt sein können. Die Methode kommt ursprünglich aus dem Anti-Bias-Ansatz und zielt darauf ab,
"Menschen zu ermutigen, einen kritischen Blick auf schein-
bare Normalitäten zu werfen, sich ihrer eigenen Rolle und Verantwortlichkeit bewusst zu werden, um letztendlich aktiv gegen Ausgrenzungen und Diskriminierung tätig werden zu können."3Fleischer, Eva (2016): Der Anti-Bias-Ansatz als Methode politischer Erwachsenenbildung, in: Magazin, erwachsenenbildung.at: Demokratielernen. Eine Vielfalt von Fähigkeiten und eine Frage der Übung, 28/2016, S.65.
Wie wird die Methode in der Praxis angewendet?
Bei der Methode werden verschiedene Privilegien in Form von Kategorien aufgelistet und/oder entsprechende Reflexionsfragen gestellt. Teilnehmende bekommen ein Arbeitsblatt, auf welchem eine vorgezeichnete Blume ("Flower") dargestellt ist. Der innerste Blumenkreis gibt die sozialen Differenzkategorien vor.
Die davon abgehenden Blüten spezifizieren diese Kategorien. Je näher die Blüten am inneren Zirkel sind, desto privilegierter sind Menschen in diesem Aspekt.
Beispiel: Im innersten Kreis könnte u.a. die Differenzkategorie "Staatsbürger:innenschaft" stehen. Im ersten daran anknüpfenden Blütenzirkel könnte nun "Deutsche Staatsbürger:innenschaft" stehen, denn diese geht in unserem Kontext mit den meisten Privilegien einher. Im darauf folgenden äußeren Blütenblatt könnte "anderweitige Staatsbürger:innenschaft" stehen und im äußersten "keine Staatsbürger:innenschaft".
Weitere soziale Differenzkategorien und implizite Fragen dieser Art können sein (Auswahl):
- Wohnverhältnis [Wohnst du in einer (Eigentums-)Wohnung?]
- Arbeitsverhältnis [Hast du einen (unbefristeten) Arbeitsvertrag?]
- Familienstand [Bist du in einer (heterosexuellen) Ehe?]
- Sprache [Sprichst du die Sprache des Landes? Sprichst du weitere europäische Sprachen?]
- Herkunft [Bist du in diesem Land geboren und wirst du auch als zugehörig gelesen?]
- Finanzen [Lebst du am oder unter dem Existenzminimum oder hast du finanzielle Rücklagen/Vermögen?]
- Gesundheit [Bist du gesund, chronisch krank oder hast du eine Behinderung?]
- …
Die Teilnehmenden sollen nun diejenigen Blüten ausmalen, die auf sie zutreffen.
Dies sollen sie im Stillen für sich allein machen. Die Blätter werden später nicht ausgetauscht. Niemand soll mit der eigenen Positionierung enttarnt und/oder entblößt werden. Im Plenum können Teilnehmende später selbst entscheiden, wie viel sie vom eigenen Erkenntnisprozess und den damit einhergehenden Emotionen teilen möchten. Um einen Austausch anzuregen, können Bildner:innen fragen, inwiefern sich die Privilegien je nach Kontext verändern oder beispielsweise in welcher Wechselwirkung sie zueinander stehen.
Achtung: Für Teilnehmende kann es schambesetzt sein zu merken, dass sie Privilegien besitzen, die nicht auf einer eigenen Leistung beruhen. Umgekehrt kann die Erkenntnis willkürlicher Benachteiligung zu Wut, Frust und Traurigkeit führen. Aus diesen Gründen ist es besonders ratsam, einen Raum zu schaffen, in dem alle miteinander achtsam umgehen.

Beispiel einer Power Flower
Quelle: Anti-Bias-Werkstatt Berlin 2007
Quellen
- Anti-Bias-Werkstatt (2007): Methodenbox. Demokratie-Lernen und Anti-Bias-Arbeit – Thematische Übungen / Power Flower, Berlin. Link zur Publikation (letzter Aufruf: 03.03.2026).
- Fleischer, Eva (2016): Der Anti-Bias-Ansatz als Methode politischer Erwachsenenbildung, in: Magazin, erwachsenenbildung.at: Demokratielernen. Eine Vielfalt von Fähigkeiten und eine Frage der Übung, 28/2016, S.65-73. Link zur Publikation (letzter Aufruf: 03.03.2026).
- Hahn-Laudenberg, Katrin et al. (2024): Umgang mit sozialen Differenzkategorien, in: Abs, Hermann Josef et al. (Hrsg): Schulische Sozialisation und politische Bildung von 14-Jährigen im internationalen Vergleich, ICCS (2022), Waxmann, Münster/New York, S.354-363. Link zur Publikation (letzter Zugriff: 04.03.2026).
- Lindmeier, Bettina; Meyer, Dorothee (17/06/2021): Der Begriff der Differenz, Bundeszentrale für Politische Bildung. Link zur Publikation (letzter Aufruf: 03.03.2026).