VIR

Rechtsorientierte Jugendliche nehmen sich oftmals selbst nicht als Gefährdete wahr und sehen entsprechend keinen Anlass, ihr rechtsextremes Verhalten oder ihre rechtsextremen Einstellungen in Frage zu stellen. Der Wunsch nach Veränderung entwickelt sich bei diesen Jugendlichen nicht selten erst im Zusammenhang mit schwerwiegenden bspw. strafrechtlichen Folgen oder bei negativen Erlebnisse in rechtsextremen Szenezusammenhängen. Das Projekt "VIR – Veränderungsimpulse setzen" setzt schon früher an. Es fokussiert auf Jugendliche und junge Erwachsene in Annäherungsphasen an rechtsextreme Szenen, die sich zwar bereits in rechtsextremen Kontexten wie Organisationen oder Cliquen bewegen, aber selbst keine führenden Positionen innehaben. Zentrales Anliegen ist es, alltägliche Anlässe für niedrigschwellige Beratungsgespräche mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu schaffen, die die Jugendlichen dort abholen, wo sie mit ihrer eigenen Orientierung gerade stehen.

_(Ablauf)_

Die Fortbildungen des Projektes richten sich schwerpunktmäßig an Trainer/innen, die wiederum selbst Fortbildungen in ihren Arbeitsfeldern oder Regionen anbieten. Zugleich wurde aber auch eine Pilotfortbildung mit Personen durchgeführt, die beruflich selbst mit rechtsorientierten Jugendlichen in Kontakt sind. In den zehn Bausteinen der Fortbildung werden Hintergrundwissen zu Rechtsextremismus sowie Methoden und Techniken zur Gesprächsführung und zur Gestaltung von Veränderungsprozessen vermittelt. Jeder Baustein hat einen zeitlichen Umfang von ca. 60 bis 90 Minuten: Die einzelnen Themen sind:

  • Im Vorfeld des Rechtsextremismus: Vorurteile und Rassismus
  • Veränderungsprozesse: das Transtheoretische Modell
  • Grundlagen motivierender Gesprächsführung
  • Rechtliche Grundlagen
  • Ein- und Ausstiegsprozesse
  • Mit Widerstand umgehen
  • Umgang mit Ambivalenzen und Widersprüchen
  • Erlebniswelt Rechtsextremismus: Musik, Symbolik, Internet
  • "change talk" – Veränderungen in Gang setzen
  • Entscheidungen treffen – Ziele klären
  • Im Kern des Konzeptes steht das Wissen über Veränderungsprozesse nach dem Trans-theoretischen Modell. Dieses besagt, dass sich Veränderungsprozesse von der Absichtsbildung bis zur Umsetzung in fünf Stadien vollziehen. Durch motivierende Gesprächsführung und Kurzberatungen sollen rechtsorientierte Jugendliche und junge Erwachsene zu diesen Veränderungsprozessen motiviert und dabei begleitet werden. Das Projekt "VIR – Veränderungsimpulse setzen" orientiert sich dabei an dem Ansatz von "MOVE – Motivierende Kurzintervention", den die ginko Stiftung für Prävention im Bereich der Suchtvorbeugung konzipiert hat.

    _(Gelingensfaktoren)_

    Entscheiden für das Gelingen des Projektes sind folgende Faktoren:

  • Interdisziplinäres Team zur Entwicklung des methodischen Konzepts von VIR und zur Durchführung der Trainer/-innen-Ausbildung
  • Breite Perspektive durch die Kooperation von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Stellen
  • Personenorientiertes Programm der Trainer/-innen-Ausbildung und der weiteren VIR-Fortbildungen, Entwicklung eigener Haltung steht im Vordergrund, wenig kognitive Wissensvermittlung
  • Trainingsprogramm, nicht Frontalprogramm
  • Realitätsnahes und praxisnahes methodisches Konzept
  • Pragmatische und konkrete Lernziele
  • Differenziertes Methodenspektrum
  • _(Lessons Learned)_

  • VIR-Fortbildungen sind grundsätzlich dreitägig. Für die Trainer/innen-Ausbildung sind vier Tage notwendig, um hinreichend Raum zu gewinnen, um die Weitervermittlung des Gelernten zu reflektieren.
  • Die hohe Intensität des Programms erfordert genügend Auszeiten und schließt ein komplexes Abendprogramm aus.