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Antimuslimischer Rassismus

Viele Worte für das Gleiche?

Verschiedene Begriffe sind geläufig, wenn über die Abwertung von Muslim:innen gesprochen wird. Dahinter stehen oft verschiedene Ideen darüber, wie Benachteiligung und Abwertung funktionieren. Deshalb geht es in diesem Artikel darum, was es mit den verschiedenen Namen auf sich hat.

Islamophobie

Islamophobie ist der Begriff, mit dem die Diskussion über die Diskriminierung von Muslim:innen in der jüngeren Vergangenheit begonnen hat. Der Runnymede Trust, eine gemeinnützige Organisation aus Großbritannien, die sich mit ethnischer Ungleichheit auseinandersetzt, machte den Begriff Ende der 90er Jahre bekannt. Sie veröffentlichte einen Bericht mit dem Titel „Islamophobia – A Challenge For Us All“ 1(Runnymede Trust 1997), der sich mit der Situation von Muslim:innen in Großbritannien beschäftigte. „Islamophobie“ bzw. „Islamophobia“ ist vor allem im Englischen und damit auch in internationalen Zusammenhängen weit verbreitet. Im deutschsprachigen Raum ist er aber auch geläufig.

Kritisiert wird der Begriff vor allem für seine „phobie“-Endung, da er auf Emotionen abzielt. Dadurch erscheint es so, dass die Menschen, von denen die Abwertung ausgeht, die Angst hätten und darunter leiden würden.2(vgl. Bühl 2010: 287ff.) Abwertung hat aber auch immer reale Motive. Sie besteht nicht nur aus irrationalen Ängsten, sondern verschafft der dominanten Gruppe indes auch Vorteile.

Islamfeindlichkeit

Ein weiterer bekannter Begriff ist „Islamfeindlichkeit“. Der emotionale Aspekt tritt dabei in den Hintergrund. Anstatt Emotionalität tritt die Ablehnung und Feindschaft gegenüber allem, was mit dem Islam assoziiert wird in den Vordergrund.3(Hafez & Schmidt 2015: 14) „Islamfeindlichkeit“ stammt aus der Vorurteilsforschung und betont damit eher die Einstellungen und ebenfalls das Verhalten von einzelnen Menschen oder Gruppen.

Den Begriff lehnen aber einige Wissenschaftler:innen und Aktivist:innen ab, weil dadurch der Blick für diskriminierende Strukturen, Bilder und Erzählungen verloren gehe.4(vgl. Attia 2013) Außerdem erkläre das Konzept Islamfeindlichkeit auch nicht, wer überhaupt für eine:n Muslim:in gehalten wird und woran die Gesellschaft das festmacht.

Muslimfeindlichkeit

Der Begriff „Muslimfeindlichkeit“ will vor allem zwischen der Ablehnung der Religion Islam einerseits und der Abwertung von muslimischen Menschen andererseits unterscheiden. Der Begriff stellt daher die Angehörigen der Religion mit dem Anfang Muslim-‚ (statt Islam-‚ wie bei Islamfeindlichkeit) in das Zentrum. Diese Unterscheidung soll dahingehend helfen „legitime“ Kritik am Islam von Benachteiligung und Herabwürdigung von Muslim:innen zu trennen. Seinen Ursprung hat der Begriff „Muslimfeindlichkeit“ in der Extremismusforschung. Er will vor allem die Menschenrechtsperspektive betonen.5(vgl. Pfahl-Traughber 2019)

Dabei stellt sich allerdings die Frage, ob es überhaupt möglich ist Muslim:innen und Islam getrennt voneinander zu betrachten, also dem Islam feindlich gegenüber zu stehen, aber den Anhänger:innen der Religion gegenüber neutral zu sein6(vgl. Shooman 2014: 30ff.) Schließlich werden Menschen nicht erst nach ihrer Meinung zu religiösen Auslegungen gefragt, bevor sie Diskriminierung, Ablehnung oder Gewalt erleben.

Antimuslimischer Rassismus

Wie der Name schon sagt wird die Ablehnung von Muslim:innen hier als Form von Rassismus verstanden. Das bedeutet, dass nicht nur die Einstellungen von einzelnen Menschen in den Blick genommen werden, sondern auch historische und gesellschaftliche Zusammenhänge.7(vgl. Keskinkilic 2019) Der Begriff antimuslimischer Rassismus setzt daher „früher“ an. Es geht somit nicht um das Schema „Es gibt Menschen, die etwas gegen Muslim:innen haben“, sondern um Fragen wie „Wie werden Muslim:innen eigentlich zu Anderen gemacht? Warum wird Deutsch-Sein und Muslimisch-Sein oft als Gegensatz empfunden? Wer wird denn als muslimisch markiert?“.

Diesen Prozess nennt man Essenzialisierung.8(vgl. Attia 2013: 7) Damit ist gemeint, das Menschen anhand eines Merkmals zu einer Gruppe zusammengefasst werden, ungeachtet von Unterschieden zwischen diesen Menschen. Dieser Prozess läuft nach folgendem Schema ab:
Ein Merkmal, hier das Muslimisch-Sein, nutzen Andere um Menschen als Gruppe zusammenzufassen, die angeblich alle die gleichen Eigenschaften, Vorlieben und Einstellungen hätten (Homogenisierung „die sind ALLE so“). Alles führt somit auf dieses eine Merkmal zurück, so dass es beispielsweise nicht politische Entscheidungen wie Arbeitsmarktpolitik oder die fehlende Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen sind, die zu geringen Einkommen führen, sondern es liegt an den angeblichen Eigenschaften der Gruppe (Naturalisierung „die sind halt so“). Gleichzeitig konstruieren sie dementsprechend einen Gegensatz zwischen der markierten Gruppe und der dominanten Mehrheitsgesellschaft.

Gemeinsamkeit und Individualität werden außer Acht gelassen, vermeintliche Unterschiede aber betont (Polarisierung: „Die sind ganz anders als wir“). Diese Unterscheidung rechtfertigt daher am Ende Benachteiligung (Hierarchisierung: „Die gehören nicht dazu/die sind nicht so gut wie wir“).9 (vgl. Rommelspacher 2011: 29)

Im Fall des antimuslimischen Rassismus spielt somit die Religion/Kultur die Rolle des unveränderlichen Unterscheidungsmerkmal. Es kommt damit nicht mehr darauf an, ob eine Person religiös ist, wie sie ihren Glauben lebt oder welche Lebensentscheidungen sie trifft, sondern nur noch darauf wie die Mehrheitsgesellschaft ihn:sie als Muslim:in wahrnimmt und markiert.

Der Begriff antimuslimischer Rassismus geht also nicht von religionsbasierter Diskriminierung aus, vielmehr geht er von rassistischer Diskriminierung aus. Antimuslimischer Rassismus nimmt deswegen alle Ebenen in den Blick, nicht nur die individuelle sondern auch die strukturelle (Gesetze, Zugänge, Verteilung von Ressourcen) sowie die institutionelle (z.B. Behörden, Schulen, Betriebe) und die diskursive Ebene (was wird über Muslim:innen erzählt? Wie stellen sie die Medien dar?). Es geht also nicht um Fragen der religiösen Praxis und auch nicht nur darum, welche Einstellungen und Verhaltensmuster Menschen gegenüber Muslim:innen haben, sondern insbesondere darum welche Mechanismen greifen die muslimische oder muslimisch markierte Menschen werten und benachteiligen.


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Quellen

  • Attia, Iman (2013): Privilegien sichern nationale Identität revitalisieren. Gesellschafts- und handlungstheoretische Dimensionen der Theorie des antimuslimischen Ras­sismus im Unterschied zu Modellen von Islamophobie und Islamfeindlichkeit. In: Journal für Psychologie 21(1): 1-31.
  • Bühl, Achim (2010): Islamfeindlichkeit in Deutschland. Ursprünge, Akteure, Stereotype. Hamburg: VSA Verlag.
  • Hafez, Kai & Schmidt, Sabrina (2015): Die Wahrnehmung des Islams in Deutschland. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung.
  • Keskinkiliç, Ozan Zakariya (2019): Was ist antimuslimischer Rassismus? Islamophobie, Islamfeindlichkeit, Antimuslimischer Rassismus – viele Begriffe für ein Phänomen. Bundeszentrale für politische Bildung. https://www.bpb.de/politik/extremismus/radikalisierungspraevention/302514/was-ist-antimuslimischer-rassismus (Stand: 03.08.2021).
  • Pfahl-Traughber, Armin (2019): Islamfeindlichkeit, Islamophobie, Islamkritik – ein Wegweiser durch den Begriffsdschungel. Bundeszentrale für politische Bildung. https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/180774/islamfeindlichkeit-islamophobie-islamkritik-ein-wegweiser-durch-den-begriffsdschungel (Stand: 03.08.2021).
  • Rommelspacher, Birgit (2011): Was ist eigentlich Rassismus? In: Melter, Claus & Mecheril, Paul (Hg.): Rassismuskritik. Band 1: Rassismustheorie und Forschung. 2. Auflage, Schwalbach am Taunus: Wochenschau Verlag: 25-38.
  • Runnymede Trust (1997): Islamophobia. A Challenge For Us All. Report of the Run­nymede Trust Commission on British Muslims and Islamophobia. https://www.runnymedetrust.org/companies/17/74/Islamophobia-A-Challenge-for-Us-All.html (Stand: 03.08.2021).
  • Shooman, Yasemin (2014): „…Weil ihre Kultur so ist“. Narrative des antimuslimischen Rassismus. Bielefeld: transcript Verlag.